Die Geschichte der Villa Quisisana

Die "VILLA QUISISANA", an der Strandpromenade in Binz auf Rügen in unmittelbarer Nähe des Strandes gelegen, wurde im Jahre 1890 von ob. Reg.-Rat Dr. jur. Victor Adolph Wilhelm v. Koerber, geb. am 21.03.1851 in Berlin, gest. am 19.12.1918 in Berlin-Schlachtensee und seiner Ehefrau Ida Luise, geb. v. Lücken, geb. 23.01.1858 in Trier, gest. am 01.05.1930 in Binz auf Rügen, errichtet.

Der Name der Villa bedeutet frei übersetzt etwa: Wo du gesund wirst oder auch: Wo es dir gut geht

Nach erfolgreicher Eheschliessung am 14.06.1880 in Kassel zog das Ehepaar bald nach Konitz in Westpreussen, wo Dr. v. Koerber einige Jahre als Landrat tätig war.
In dieser Zeit wurden hier auch die einzige Tochter Irmgard Klara Luise Hedwig Alexandra am 10.05.1883 sowie der ältere Sohn Nordewin Adolf Johannes Marius Franz am 09.03.1885 geboren.

Das Junge Paar war überall sehr beliebt und geachtet und die Villa ein gern besuchter gesellschaftlicher Treffpunkt für Familienmitglieder, Freunde und Bekannte.
Das rege Interesse an der Villa mochte auch mit der gesellschaftlichen Stellung zu tun haben, die Dr. Victor v. Koerber inne hatte.
Ende 1885 übernahm er den Landratsposten in Bergen auf Rügen, den er bis 1895 behielt. Die in Bergen verbrachte Zeit bezeichnete das junge Paar später als "die schönste" ihres Lebens. Hier wurde am 27.02.1891 auch das letzte Kind Adolf Victor Nordewin Friedrich Wilhelm geboren.

Als Dr. v. Koerber für seine Tätigkeit als "pflichtbewusster Beamter" den roten Adlerorden verliehen bekam, war es ihm gar nicht recht, er mochte nicht "hervortreten", blieb immer der bescheidene, einfache Mensch. Man nannte ihn spasshalber den "König von Rügen".
Mit seinem ganzen Herzen hing er an seiner Insel Rügen und ihrer Gestaltung. In seiner Zeit wurden Saßnitz, Saßnitz-Hafen und die Binzer Bahn gebaut.

Von seiner Ehefrau ist noch zu berichten, dass es ihrer Energie und ihrer Zielstrebigkeit zu verdanken war, dass der Bau einer Kirche in Binz in die Tat umgesetzt wurde.

1929 wurde die VILLA QUISISANA umgebaut. Durch die wirtschaftlich schwierigen Verhältnisse der damaligen Zeit sah sich die Zeit ihres Lebens unverheiratet gebliebene Tochter Irmgard gezwungen, den Lebensunterhalt für sich und Ihre Mutter durch Aufnahme von Pensionsgästen selbst zu verdienen. Diese nicht einfach zu bewältigende Aufgabe wurde durch eine Ende Dezember einsetzende Erkrankung ihrer Mutter noch zusätzlich erschwert. Die ständige Verschlechterung des Gesundheitszustandes ihrer Mutter führte schliesslich am 01.05.1930 zu deren Tod.

In diesen ohnehin schweren Tagen bewährte sich abermals Irmgards weitläufige Cousine und Freundin Brigitte Reichenau als tröstender Beistand und treue Mitarbeiterin an ihrer Seite bei der Bewirtschaftung und Führung der Gästevilla.
Von allen Familienmitgliedern geachtet und geehrt wurde sie liebevoll "unsere Tante Brigitte" genannt.
In einer 1924 von der Kurdirektion Binz herausgegebenen Werbebroschüre über das Ostseekurbad Binz wird die Villa mit folgendem Text beworben:

Haus Quisisana
Direkt an der Strandpromenade, nahe Landungsbrücke und Familienbad. Kleines vornehmes, christliches Haus mit allem Komfort. Zimmer fast alle mit Seeaussicht, in jeder Preislage. 1 Küche. Oefen im Hause.

Unter der Leitung von Irmgard v. Koerber und der tatkräftigen Unterstützung ihrer Freundin Brigitte Reichenau erwarb sich die VILLA QUISISANA einen hervorragenden Ruf und erfreute sich bald eines regen Zuspruchs durch die Pensionsgäste.
Über Jahre hinweg war die VILLA QUISISANA ein Ort ungetrübter Freude und des Wohlbefindens.

Das änderte sich schlagartig, als der 2. Weltkrieg sich seinem Ende näherte. Riesige Flüchtlingsströme ergossen sich durch die Vertreibung der Menschen aus den deutschen Ostgebieten über die Insel Rügen und suchten verzweifelt Unterkunft.
Die VILLA QUISISANA quoll über vor Menschen. Die eigenen Familienangehörigen mit ihren Kindern. Freunde. Bekannte. Fremde Menschen.
Was Irmgard v. Koerber und Brigitte Reichenau in dieser Zeit an humanitärer Hilfe geleistet haben, ist später von denen, die diese Hilfe erfahren haben, mit tiefer Dankbarkeit und höchster Anerkennung gedacht worden.
Die Lebensbedingungen der Nachkriegsjahre verschlechterten sich zusehens und wurden unter dem DDR-Regime katastrophal. Sie hinterliessen tiefe Spuren bei Mensch und Haus.

Irmgard v. Koerber verstarb am 03.03.1949 an Herzversagen im Krankenhaus Greifswald.
Beigesetzt wurde sie auf dem Binzer Friedhof.

Die VILLA QUISISANA wurde lt. Testament nach dem Tod von Irmgard v. Koerber 1949 an ihren ältesten Neffen Dr. agr. Ernst Nordewin v. Diest-Koerber vererbt. Dieser übertrug das Haus seiner ältesten Nichte Heike Eggert, geb. Kleinschmidt, deren Patentante die ehemalige Besitzerin Irmgard v. Koerber auch war.

1996 wurde die VILLA QUISISANA an den heutigen Besitzer, den in Bonn ansässigen Handwerksmeister Manfred Schumacher und seine Frau verkauft. Dieser restaurierte mit hohem Kapitaleinsatz und beinahe noch größerer Liebe zum Objekt das unter Denkmalschutz stehende, wegen gravierender Baumängel jedoch nicht mehr bewohnbare Haus zu seiner heutigen Schönheit. Er half hierdurch mit, dem Ort Binz auf Rügen, einen Teil ihres einstigen Glanzes zurückzugeben.